Pfarrwallfahrt nach Canale d'Agordo

von Josef Kaiser

Die Reise ging über einen Kurzbesuch im Kloster Neustift bei Brixen nach Falcade, wo die Wallfahrer ihr Hotel beziehen konnten. Noch am ersten Abend kam Loris, um alle auf herzlichste zu begrüßen. Loris spricht sehr gut Deutsch und war auch schon dreimal in Marktl. Er kennt also schon viele Gesichter.

Am nächsten Tag standen Besichtigungen auf dem Plan. Zuerst ging es zu dem kleinen Kirchlein San Simon di Vallada. Hier beeindrucken gut erhaltene Fresken aus dem 16. Jahrhundert. Schließlich gibt uns Loris eine Kostprobe seines musikalischen Talentes auf der Orgel. Er ist mit halber Stelle Organist in Cortina d’Ampezzo und mit halber Stelle der Leiter des Papstmuseums.

Anschließend besuchen wir das neue Papstmuseum, das nach langem und mühevollem Planen im letzten August eröffnet werden konnte.

Die Konzeption des Hauses unterscheidet sich vom Marktler Papsthaus und betont mehr den Lebens- und Glaubensweg des Albino Luciani (geb. am 17. Okt. 1912). Papst Benedikt sagt über ihn: „Ich  persönlich bin überzeugt, dass er ein Heiliger war wegen seiner unendlichen Güte, Bescheidenheit und Hingabe und wegen seiner Furchtlosigkeit. ... und er hatte eine große Glaubenskultur.“ So hoffen die Menschen seiner Heimatgemeinde, dass das 2003 eingeleitete Verfahren bald zur Heiligsprechung ihres geliebten „Papa Luciani“ führt. Papst em. Benedikt VI. hat als einziger Papst dazu sogar ein schriftliches Zeugnis hinterlassen, was dem Prozess der Heiligsprechung sicher dienen wird.

Gegen Ende der Führung appelliert Loris, nicht die Verschwörungstheorien über den Tod des 33Tage Papstes - die es natürlich zuhauf gibt - in Erinnerung zu behalten, sondern das großartige Glaubenszeugnis.  Von Gott geliebt und geführt -  das kann einem schon ein Lächeln ins Gesicht zaubern; und so ist er als der lächelnde Papst längst in die Kirchengeschichte eingegangen. Wir hatten auch noch eine kurze Begegnung mit Pia Luciani, verheiratete Basso, einer Nichte des Papstes. Auch sie hat erkennbar dieses Lächeln in ihren Augen.

Persönlich hat mich im Museum der kleine braune Koffer beeindruckt, der in einer Vitrine zu sehen ist. Er kam nicht mehr in seiner ursprünglichen Wohnung an. Nach der Wahl zum Pontifex Maximus darf der neue Papst den Vatikan nicht mehr verlassen. Er ist ein Symbol dafür, dass sich augenblicklich das Leben total verändern kann und es kein Zurück mehr gibt.

Ein weiterer Programmpunkt war die Besichtigung der wunderschönen Wallfahrtkirche Santi Vittore e Corona di Feltre mit gut erhaltenen  Fresken aus dem 11. und 12. Jhdt.  und einem grandiosen Ausblick.

Bei dieser Führung blieb mir die Darstellung des vierfachen Mordversuches am Hl. Victor in Erinnerung: Zuerst wurden im die Hände abgehackt, dann in einen Feuerofen gesteckt, schließlich musste er siedend heißes Öl trinken und wurde schlussendlich mit einem glühenden Eisen an der Schläfe blind gemacht. Ein ähnlich grausames Martyrium erlitt die Hl. Corona, die zweite Schutzpatronin der Kirche: Sie wurde in die Wipfel zweier Bäume gebunden, die der Wind hin und her bewegte und sie langsam sterben ließ.

Eine Besonderheit findet sich auf dem größten Fresko der Kirche: Auf dem Abendmahls-Tisch finden sich neben den üblichen Speisen zum Passahfest auch Krebse. Krebse wechseln die Farbe und sind daher Sinnbild für Wiedergeburt, für Auferstehung. Was man nicht alles lernt!

Und schließlich durften sich alle Kreuzlahmen und Bandscheibengeschädigten auf einen Wunderstuhl setzen und natürlich dran glauben, dass die Schmerzen nachlassen. Für den Augenblick war es tatsächlich so!

 

Zum Abschluss der Pfarrwallfahrt feierten wir am Sonntag mit den Pfarrangehörigen von Canale d’Agordo gemeinsam den Gottesdienst und durften trotz mancher Sprachbarriere die Freundlichkeit und Herzlichkeit der Menschen dort spüren, die einfach nur stolz sind auf ihren Papa Luciani und diese Freude mit uns teilen wollen.

Es war eine schöne Reise zu den Spuren dieses großen Papstes und zu den Menschen in diesem bescheidenen Bergdorf umgeben von den gigantischen Riesen der Dolomiten. Mögen die Erinnerungen lange anhalten und möge die Begegnung mit diesem demütigen, gütigen und lächelnden Papa Luciani unsere Liebe zu Christus stärken.

Wir alle freuen uns auf ein Wiedersehen in Marktl oder in Canale d’Agordo!

 

Maria Schoeber, Gemeindereferentin

 

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